Eine Trauerrede für einen Freund halten
Sie haben ihn anders gekannt als die Familie, und die Familie sitzt vor Ihnen. Die schwerste Frage dieser Rede ist deshalb nicht der Aufbau, sondern die Auswahl: welche Jahre Ihnen gehören, was Sie erzählen dürfen und was in dieser Runde nichts zu suchen hat.
Sprechfassung und Spickzettel erscheinen hier. Ihr Text wird nicht gespeichert.
So geht es
- Mit der Familie sprechenKlären Sie vor dem Schreiben zwei Dinge: wie viel Zeit Sie haben und was nicht vorkommen soll. Beides erfahren Sie nur dort, und beides ändert die Rede mehr als jede Formulierung.
- Interview führen28 Fragen in vier Abschnitten, davon acht Pflichtfragen. Gefragt wird nach Ihrem Verhältnis, nach drei Eigenschaften mit je einem Beleg und nach Begebenheiten mit Ort, Beteiligten und Ausgang.
- Grenzen eintragenWas die Familie ausgeschlossen hat und was Sie selbst nicht sagen wollen, tragen Sie in die Tabuliste ein. Diese Angabe geht nicht in den Text ein; sie wird gegen die fertige Fassung gehalten.
- Sprechfassung bauenDie Sprechfassung setzt [Pause], [kurze Pause] und [Blick heben]. Sie entsteht auch aus einem Text, den Sie selbst geschrieben haben: ein Absatz je Redeabschnitt, getrennt durch eine Leerzeile.
Was der Familie gehört und was Ihnen
Als Freundin oder Freund haben Sie Jahre erlebt, von denen die Familie wenig weiß, und manches davon war der Grund, warum die Freundschaft gehalten hat. Vor der Trauergemeinde gilt trotzdem eine einfache Regel: Was jemanden im Raum bloßstellt, gehört nicht in die Rede, auch wenn es wahr ist und der Verstorbene selbst gelacht hätte. Die Nachtfahrt nach einem verlorenen Spiel ist eine Anekdote. Der Streit mit dem Bruder ist keine.
Fragen Sie deshalb vorher, und fragen Sie konkret: Wer sitzt vorne, wer weiß von der Trennung, welche Namen sollen nicht fallen, wie viel Zeit ist für Sie eingeplant. Die Antworten tragen Sie in die Tabuliste ein, und danach arbeitet die Prüfung an dieser Stelle mit: Steht ein ausgeschlossenes Stichwort in der fertigen Fassung, meldet RedenHilfe einen Verdacht. Sie sucht Ihre Stichworte am Wortanfang, erkennt keine Umschreibung und streicht nichts von selbst – das letzte Lesen bleibt bei Ihnen.
Der zweite Teil der Absprache ist die Aufteilung. Bei Trauerfeiern sprechen oft mehrere, und ohne Absprache erzählen zwei dieselbe Geschichte. Klären Sie, wer welche Begebenheit nimmt; wenn die Familie den Lebensweg abdeckt, brauchen Sie ihn nicht noch einmal zu erzählen.
Nicht die kleine Fassung der Familienrede
Ein Lebenslauf ist nicht Ihre Aufgabe. Wer die Herkunft, den Beruf und den Familienstand nennt, klären Sie mit der Familie; den Ablauf der Feier kennt RedenHilfe nicht. Wenn es jemand anderes übernimmt und Sie es wiederholen, verbrauchen Sie Ihre Zeit mit dem, was der Raum schon gehört hat. Ihr Teil sind die Jahre, in denen Sie dabei waren, und die kennt sonst niemand so genau.
Das Gerüst hilft dabei, weil es die Bilder nach vorn holt. Bei fünf Minuten stehen sechs Abschnitte, und der Abschnitt mit den zwei Bildern trägt darin das größte Wortziel; bei drei Minuten bleiben vier Abschnitte mit einem Bild. Erzählen Sie also eine Begebenheit mit Ort, Beteiligten und Ausgang, statt Eigenschaftswörter aneinanderzureihen.
Wenn Ihnen nichts Heiteres einfällt, ist das kein Mangel. Eine Begebenheit ohne Pointe trägt besser als ein Witz, der in dieser Runde nicht sitzt, und der Tonfall lässt sich auf ruhig, warm oder hoffnungsvoll stellen. Bei einer Trauerrede ist außerdem jeder Treffer der Textprüfung eine Warnung und nicht nur ein Vorschlag – das ist der Unterschied zur Festrede.
Aus Ihrem eigenen Text eine Sprechfassung machen
Viele haben ihre Rede schon geschrieben, bevor sie nach Hilfe suchen. Für diesen Fall nimmt das Feld oben Ihren Text entgegen und setzt die Pausen: Ein Absatz je Redeabschnitt, getrennt durch eine Leerzeile, und Sie bekommen die Sprechfassung mit den Marken sowie einen Spickzettel mit höchstens vier Stichpunkten je Abschnitt. Gespeichert wird dabei nichts.
[Pause] sind zwei Atemzüge mit Blick in den Raum, [kurze Pause] ist ein Atemzug, [Blick heben] heißt: vom Blatt aufsehen. Das klingt technisch, und der Nutzen zeigt sich erst beim Vortrag, wenn eine Stelle kommt, an der Sie ohnehin anhalten müssen. Lesen Sie die Fassung einmal vollständig laut mit; erst dabei merken Sie, welcher Satz sich nicht sprechen lässt.
Der Spickzettel ist die Rückfallebene. Höchstens vier Stichpunkte je Abschnitt, jeder höchstens 60 Zeichen: Er passt auf eine Karteikarte und hält die Reihenfolge, wenn die Zeilen verschwimmen. Drucken Sie beides aus und nehmen Sie es auf Papier mit, nicht nur auf dem Telefon.
Häufige Fragen
Darf ich als Freund überhaupt sprechen?
Eine Vorschrift darüber, wer bei einer Trauerfeier spricht, gibt es nicht; es entscheidet die Familie mit dem Bestattungsunternehmen oder der Gemeinde. Fragen Sie also, statt es anzukündigen. RedenHilfe vermittelt keine Rednerinnen und Redner: Die Rede schreiben Sie, und Sie halten sie auch.
Wie lang soll die Rede eines Freundes sein?
Drei Minuten sind hier oft richtig: bei 110 Wörtern je Minute rund 330 Wörter, zugelassen sind 297 bis 363 Wörter. Wenn mehrere sprechen, ist die kurze Fassung die höflichere; fünf Minuten mit rund 550 Wörtern sind bei Trauerfeiern der Regelfall.
Was, wenn ich etwas weiß, das die Familie nicht weiß?
Dann ist eine Trauerfeier nicht der Ort, an dem es zum ersten Mal ausgesprochen wird. Halten Sie es aus der Rede heraus und tragen Sie das Stichwort in die Tabuliste ein, damit es auch nicht versehentlich im Entwurf landet.
Wie rede ich die Familie an?
Voreingestellt ist „Liebe Trauergemeinde“; die Anrede können Sie ändern. Wenn Sie die engsten Angehörigen namentlich ansprechen wollen, klären Sie vorher, wer genannt werden möchte – gerade bei getrennten Familien ist die Aufzählung die heikelste Stelle der Rede.
Ich habe meinen Text schon fertig, hilft RedenHilfe trotzdem?
Ja. Sprechfassung und Spickzettel entstehen aus jedem Text, den Sie einfügen. Wollen Sie zusätzlich wissen, welche Wendungen darin stehen und ob eines Ihrer Tabu-Stichworte vorkommt, gibt es dafür die Textprüfung.
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RedenHilfe ist ein Text-Baukasten zur eigenständigen Erstellung persönlicher Reden. Wir erbringen keine Rechtsdienstleistung im Sinne des § 2 RDG und keine Steuer- oder Bestattungsberatung; eine rechtliche Prüfung Ihres Einzelfalls findet nicht statt. Bestattungsfristen ergeben sich aus dem Recht des jeweiligen Bundeslandes; RedenHilfe berechnet sie nicht, sondern zählt nur bis zu dem Termin herunter, den Sie eintragen.